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Alberto Moravia: Das doppelte Spiel

- Inhaltsangabe und Interpretation -

Moravia spielt ein doppeltes Spiel mit uns - und schreibt eine doppelte Pointe.

Inhaltsangabe

Peppe wird von seiner Mutter immer wieder Umberto als Vorbild vorgehalten, der gut in der Schule ist, fleißig arbeitet, und das Geld bei seinen Eltern abliefert, während Peppe nur ein Faulpelz sei. Als Peppe von seinem Arbeitgeber gekündigt wird, stellt er Umberto zur Rede. Er solle Clara in Ruhe lassen, sie sei sein Mädchen.

Denn Peppe ist in Clara verliebt, ein Mädchen aus der gleichen Straße. Er ist eifersüchtig auf Umberto, der sich oft mit dem Mädchen trifft, und den er auch deswegen haßt. Umso erleichterter ist er, als Clara abfällig von Umberto spricht. Sie verabreden, dass Peppe bei ihrer Mutter um Claras Hand anhalten soll, während Clara ein letztes Mal Umberto treffen will, um sich zu verabschieden.

Peppe geht also zu Claras Mutter, die als Handleserin arbeitet. Er will sich die Zukunft voraussagen lassen und dabei auf sein Anliegen zu sprechen kommen. Doch Claras Mutter sagt ihm, er sei ein Don Juan, nicht für die Ehe geboren. Als er von seiner Liebe zu Clara spricht, sagt sie ihm, ihre Tochter wäre bereits mit Umberto verlobt und treffe sich mit ihm, Peppe, nur noch aus Mitleid.

Wie vor den Kopf geschlagen verläßt Peppe die Wohnung der Handleserin. Auf dem Treppenabsatz trifft er ein hübsches Mädchen. Als er Clara kommen hört, legt er den Arm um das frede Mädchen - um sie zu ärgern. Clara, die in Begleitung von Umberto ist, wendet pikiert den Blick ab.

Interpretation

Es ist der Gechichte nicht zu entnehmen, ob Clara tatsächlich ein doppeltes Spiel mit Peppe und Umberto treibt, wie ihre Mutter behauptet. Vielleicht spielt auch die Mutter ein doppeltes Spiel mit Peppe, will ihre Tochter nicht verlieren und lügt ihn deshalb an.

Peppe, der Ich-Erzähler, glaubt ihr jedoch, und das fröhliche Lachen Claras in der Gesellschaft Umbertos, den sie doch angeblich abscheulich findet, weist darauf hin, dass die Mutter die Wahrheit sagt.

Die Prophezeiung der Mutter, dass in Peppes Leben eine Frau auf die andere folgt wie die Perlen einer Kette, wirkt bei Peppe wie eine "self-fulfilling prophecy", indem sie Peppe dazu bringt, mit dem fremden Mädchen zu flirten.

Die Geschichte hat eine doppelte Pointe: Einerseits die Erklärung der Mutter, dass Clara mit Umberto verlobt sei und andererseits die in Erfüllung gehende Prophezeiung der Handleserin.

Das Anliegen Moravias ist wohl die Enthüllung des Geschlechterkampfs: Das Mädchen taktiert mit den Gefühlen der beiden jungen Männern, die ihrerseits das Mädchen zum Teil wohl nur als Vehikel ihrer Rivalität benutzen, als willkommenes Streitobjekt. Peppe andererseits rächt sich an Clara, indem er sie eifersüchtig macht und ihr verdeutlicht, dass er nicht auf sie angeweisen ist.

Alberto Moravia

Der 1907 geborene Römer Moravia (eigentlich Alberto Pincherle) stammt aus Mähren (ital. Moravia) und beschreibt in seinen Romanen und Kurzgeschichten häufig die Beziehungen zwischen den Geschlechtern. Mit seinem psychologisch-realistischen Stil übte er immer wieder Kritik am Bürgertum. Am bekanntesten sind die Romane Die Gleichgültigen (1929) und Cesira (1957).

Bibliographisches

Letzte Änderung: Januar 2003

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